Categories as Social Practice and the Value-Form of Experience | Ein Seminar von Franz Heilgendorff
26. März , 10:00 – 12:30
Für Kant ist das transzendentale Subjekt die formale Bedingung der Einheit der Erfahrung. Gesellschaftlich entspricht es der Wertform, die uns zwingt, die Welt in identifizierender und abstrahierender Weise zu synthetisieren. In der Kritischen Theorie wurden die Kategorien der Logik und Metaphysik daher als verdinglichte soziale Beziehungen kritisiert: Die dem erkennenden Subjekt zugeschriebene Abstraktion sei bereits real, im Voraus innerhalb der Tauschgesellschaft vollzogen und der soziale Gehalt abstrakt-logischer Kategorien erkenn- wie kritisierbar.
Aber wie lässt sich die Einsicht, dass Kategorien sedimentierte soziale Praxis sind, in ein empirisches Forschungsdesign übersetzen? Es scheint, Kategorien werden dort sichtbar, wo sie „arbeiten“: wo sie scheitern, repariert werden müssen oder ihre Rahmen gesprengt werden. Wie handhaben Subjekte in sozialen Bewegungen oder im Produktionsprozess abstrakte Kategorien wie Identität, Kausalität oder Zeit und wie werden diese dabei transformiert? Welchen kategorialen Zwängen unterliegen wir, um überhaupt als Subjekte handlungsfähig zu sein? Und lassen sich die Kategorien der Philosophie überhaupt nach „unten“ öffnen, so dass darin eigene Erfahrungen artikuliert werden könnten?
Während die gesellschaftliche Produktion und der Markt beispielsweise eine lineare, quantifizierbare Zeit erzwingen, entstehen qualitative Zeiterfahrungen in den Sphären der Reproduktion und des Widerstands. In diesem Spannungsfeld verstrickt sich eine kategorial bestimmte Vernunft in Widersprüche. So entsteht Raum für das Vermögen der Phantasie (Negt, Kluge, Becker-Schmidt) und für einen Begriff von Klassenbewusstsein, der nicht als bloße Artikulation von Interessen verstanden wird. Untersucht werden soll, ob sich dabei eine tiefgreifende Umwälzung der Kategorien unserer Selbst- und Weltwahrnehmung vollzieht, die die Ebene des kategorialen Apparates selbst erreicht. Das Seminar hat daher Forschungscharakter: einen empirischen Zugang zu entwickeln, der diese kategorialen Verschiebungen sichtbar macht und fragt, wie Erkenntnis- und Sozialstrukturen zusammenhängen.
(Das Seminar wird auf Deutsch und/oder Englisch abgehalten.)

