Ein historisches Erinnern, welches nur Geschehenes sortiert und chronologisch anordnet, muss bewusstlos bleiben, fixiert auf das Bestehende. Es trennt auf, was zusammengehört, verzichtet auf Reflexion und setzt an die Stelle Bescheidwissen. Wer alles weiß, muss nicht mehr darüber nachdenken. Dadurch wird verdrängt, was als Kontinuum gegenwärtig ist: die Herrschaft von Staat und Kapital. Deshalb ist es noch immer so, wie Hannah Arendt es einst schrieb:
„Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher“
Ende 1978 besuchte Michel Foucault den Ajatollah Khomeini in seinem Pariser Exil. In Artikeln lobpreiste Foucault die „politische Spiritualität“ des Revolutionsführers und verschloss die Augen vor dem Antisemitismus und der Misogynie, die der Ajatollah schon damals offen propagierte und die einen Kern seines politischen Programms ausmachten. So erklärte Foucault: „Unter einem ‚islamischen Staat‘ versteht niemand im Iran ein politisches Regime, in dem der Klerus die Leitung übernähme oder den Rahmen setzte.“ Und weiter schwärmte er: „Wie stark würde Khomeinis ‚religiöse‘ Bewegung werden, wenn sie sich die Befreiung Palästinas zum Ziel setzte? Der Jordan fließt nicht mehr sehr weit vom Iran.“
Am 9. November hielten „einige Genossen von alea“ einen Redebeitrag auf einer Gedenkkundgebung zum Jahrestag des Novemberpogroms. Im Wesentlichen besagt ihr Beitrag, dass Antisemitismus und Antizionismus tatsächlich zwei verschiedene (wenn auch ähnliche) Paar Schuhe sind und es deshalb zu nichts führt, Antizionisten als Antisemiten betiteln zu wollen. Die Genossen berühren einige wichtige Widersprüche, lösen sie aber leider undialektisch auf.
Der audio-visuelle Input „Wir packen unsere Bibliothek aus“ von kssndrswk gibt keine Antwort auf die Frage “Warum eine Bibliothek?”, sondern lässt Bilder und Erinnerungen entlang eines Textes von Walter Benjamin vorbeiziehen. Er dreht sich in assoziativer Weise um die Frage, wie aus Einzelnen ein Ganzes, wie aus Büchern eine Bibliothek wird. Der Blick schweift ab auf Bleisatz, Papiermaschinen und Getriebe; die Gedanken auf die Schrullen echter Sammler und in die Benjaminsche auratische Ferne; und auf verfehlte Formen.
Was die einstigen Klimaaktivisten in der Identifikation mit den Palästinensern an Israel bekämpfen, ist das bereits im Klimastreik kultivierte diffuse Schuldgefühl als Teil der westlichen Gesellschaft; ein Unbehagen an der Moderne, welches sich an ihren Destruktivmomenten entzündet. Nicht um die bestimmte, sondern um die abstrakte Negation dieser Gesellschaft geht es ihnen: zurück zum status quo ante, wie sie ihn in den Völkern des globalen Südens zu erkennen glauben.