disput ist ein Verein in Dresden, der sich der Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie der Gesellschaft verschrieben hat. Uns eint das Anliegen, die Gesellschaft, in der wir leben – und damit auch uns als Einzelne – im kritischen Denken zu entschlüsseln. Das ist in der Isolation des Gedankenarchitekten, der im stillen Kämmerlein über der Lektüre brütet, nicht möglich. Zu unserer gemeinsamen Auseinandersetzung gehören daher interne wie öffentliche Diskussionen, Vortragsveranstaltungen, Lesekreise und weitere Formate. In loser Folge veröffentlichen wir auf dieser Webseite Texte unserer Mitglieder, die zum Teil aus diesen Diskussionen resultieren. 2025 haben wir in der Leipziger Straße 84 eine Bibliothek, die disputhek eröffnet. Im selben Jahr hat sich das Distanz-Magazin unserem Verein angeschlossen. Wer sich an den Diskussionen beteiligen oder einfach einmal durch die Bücher stöbern möchte, kann zu unseren regelmäßigen Öffnungszeiten (Mittwoch 12 bis 17 Uhr sowie auf Anfrage) oder bei öffentlichen Veranstaltungen in der disputhek vorbeischauen.

Der Titel des kürzlich erschienenen Buches von Mario Wolf regt zu Irritationen an: Die Totalität des Todestriebs, heißt es hier, soll dargestellt werden in einer Bewegung Von der Freud’schen Dialektik zu einer kritischen Triebtheorie. Nicht genug also, dass der Autor sich dem verruchten Todestrieb widmet, er garniert seine Ausführungen auch noch mit dem Vokabular der kritischen Theorie der Gesellschaft. Warum ist dieses Vorhaben irritierend?

Am 9. November hielten „einige Genossen von alea“ einen Redebeitrag auf einer Gedenkkundgebung zum Jahrestag des Novemberpogroms. Im Wesentlichen besagt ihr Beitrag, dass Antisemitismus und Antizionismus tatsächlich zwei verschiedene (wenn auch ähnliche) Paar Schuhe sind und es deshalb zu nichts führt, Antizionisten als Antisemiten betiteln zu wollen. Die Genossen berühren einige wichtige Widersprüche, lösen sie aber leider undialektisch auf.

Der audio-visuelle Input „Wir packen unsere Bibliothek aus“ von kssndrswk gibt keine Antwort auf die Frage “Warum eine Bibliothek?”, sondern lässt Bilder und Erinnerungen entlang eines Textes von Walter Benjamin vorbeiziehen. Er dreht sich in assoziativer Weise um die Frage, wie aus Einzelnen ein Ganzes, wie aus Büchern eine Bibliothek wird. Der Blick schweift ab auf Bleisatz, Papiermaschinen und Getriebe; die Gedanken auf die Schrullen echter Sammler und in die Benjaminsche auratische Ferne; und auf verfehlte Formen.

Was die einstigen Klimaaktivisten in der Identifikation mit den Palästinensern an Israel bekämpfen, ist das bereits im Klimastreik kultivierte diffuse Schuldgefühl als Teil der westlichen Gesellschaft; ein Unbehagen an der Moderne, welches sich an ihren Destruktivmomenten entzündet. Nicht um die bestimmte, sondern um die abstrakte Negation dieser Gesellschaft geht es ihnen: zurück zum status quo ante, wie sie ihn in den Völkern des globalen Südens zu erkennen glauben.

Die Eröffnung der disputhek wurde von kurzen Vorträgen und Kommentaren begleitet, welche die Fragen „Warum kritische Theorie?“ und „Warum eine Bibliothek?“ diskutierten. Jene zur ersten Frage können an dieser Stelle nachgelesen werden. Diskussionsbeitrag: Die Frage „Warum Kritische Theorie“ scheint einerseits sehr einfach zu beantworten zu sein, mit einem schlichten: weil es nötig ist. Oder, um es ausführlicher zu machen, vielleicht auch eher das „weil es nötig ist“, in seiner Nachdrücklichkeit zu bestimmen, ist auf den kategorischen Imperativ von Marx und Adorno zu verweisen. Die da lauten: „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein…
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