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SUMMARY:Vom »Ist« zum falschen Zustand | Ein Vortrag von Franz Heilgendorff
DESCRIPTION:Heidegger sagt: „Der Begriff des Seins ist ganz und gar nicht einfach und ebensowenig selbstverständlich. Der Sinn von Sein ist der verwickeltste\, und der Grund des Seins ist dunkel. Es bedarf der Entwirrung der Verwirrungen und der Aufklärung des Dunkels.“ (Werke\, 24\, S. 318) Der arme Heidegger. Überlassen wir ihn sich selbst in seiner Dunkelheit und rücken im Vortrag an seine Stelle eine philosophiegeschichtliche Rekonstruktion des prädikativen Urteils\, mit dem wir ständig sagen\, was etwas ist: S(ubjekt) ist P(rädikat). \n\n\n\nSchon bei Aristoteles bündeln sich im kleinen Wort „ist“ verschiedene Bedeutungen und Beziehungen des Seienden. Eine davon gewinnt den obersten Rang: die Bestimmung des Wesens\, des »Was-es-ist«. Damit wird das Problem der Ontologie zu einem Problem der Logik – nicht bloß der formalen Logik\, sondern der Logik als Theorie des Denkens des Seienden. Diese Spannung zwischen Denken und Sein kehrt in der Neuzeit als Gegensatz von Subjekt und Objekt wieder. \n\n\n\nBei Kant finden beide ihre Einheit im Urteil\, im »Ich denke«. Hegel radikalisiert diesen Gedanken und löst die Ontologie in Logik auf. Heidegger geht in diesem Zusammenhang ein Licht auf: „Das Problem kommt solange nicht von der Stelle\, als die Logik selbst nicht wieder in die Ontologie zurückgenommen wird\, d. h. solange nicht Hegel\, der umgekehrt die Ontologie in Logik auflöste\, begriffen ist\, und das besagt immer\, durch die Radikalisierung der Fragestellung überwunden und zugleich angeeignet wird.“ (Ebd.\, S. 254) Nur übersieht er\, was der Vortrag zeigt: dass es Marx gelang\, die Logik in die Ontologie zurückzunehmen – in eine Ontologie des falschen Zustands. Denn die\, so Adorno\, durch den Tausch konstituierte kapitalistische Wirklichkeit ist selbst ein Stück Begriffliches. Das Dunkel liegt also weniger im Sein als in der Gesellschaft. Und auf die Seinsfrage hat die Geschichte längst sehr konkrete Antworten gegeben. Die instrumentelle Vernunft ist eine davon\, der Verein freier Menschen wäre eine andere. \n\n\n\nDer Vortrag findet statt im Rahmen des philosophischen Kolloquiums »Alle Tage«\, welches sich dem Verhältnis von Ontologie und Dialektik widmet und vom 20. bis 25. September 2026 in Dresden stattfindet. Weitere Informationen sind der Webseite des Kolloquiums zu entnehmen: http://alletage.de/
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SUMMARY:Der Sinn von Sein. Martin Heidegger und das ontologische Bedürfnis | Ein Vortrag von Markus Markmeyer
DESCRIPTION:Im Denken Martin Heideggers manifestiert sich ein Wunsch: dass sich das Dasein\, der Mensch\, als etwas denken ließe\, dem sich der Sinn von Sein selbst zeige. Im Leben des Einzelnen taucht dieser Wunsch vereinfacht in der Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz wieder auf. Hat mein Leben einen Sinn\, d.h. kann ich auf ein einheitliches Ziel hin existieren? Irre ich ziellos unter unzähligen ziellosen Seienden umher oder kann sich mir der Sinn meines Seins selbst offenbaren? \n\n\n\nIch möchte fragen\, woher dieser Wunsch im eigenen Leben kommt. Warum braucht das Ich einen Sinn für sich\, welche Schwäche\, welche Hoffnung auf Halt\, welches Bedürfnis manifestiert sich in der Frage nach dem Sinn des eigenen Seins? Adorno nennt diese Suche nach einem festen Sinn des Lebens das „ontologische Bedürfnis“. Im Vortrag möchte ich diesem Bedürfnis auf die Schliche kommen: Gab es das immer schon? Wenn das Bedürfnis nach Essen aus dem Mangel des Hungers entspringt\, aus welchem Mangel entspringt dann das ontologische Bedürfnis? Und – vielleicht am wichtigsten – kann dieses Bedürfnis je eine Befriedigung finden? Kann ich mich am Sinn des Seins sättigen? \n\n\n\nDer Vortrag findet statt im Rahmen des philosophischen Kolloquiums »Alle Tage«\, welches sich dem Verhältnis von Ontologie und Dialektik widmet und vom 20. bis 25. September 2026 in Dresden stattfindet. Weitere Informationen sind der Webseite des Kolloquiums zu entnehmen: http://alletage.de/
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SUMMARY:Aufhören! (Kein) Kongress
DESCRIPTION:Einspruch gegen die Katastrophe\, die sich Leben nennt\n\n\n\n\n\n\n„Im Verhältnis des Einzelnen zum Körper\, seinem eigenen wie dem fremden\, kehrt die Irrationalität und Ungerechtigkeit der Herrschaft als Grausamkeit wieder\, die vom einsichtigen Verhältnis\, von glücklicher Reflexion so weit entfernt ist\, wie jene von der Freiheit.“ (Dialektik der Aufklärung\, S. 247) \n\n\n\n„In der Selbsterniedrigung des Menschen zum corpus rächt sich die Natur dafür\, daß der Mensch sie zum Gegenstand der Herrschaft\, zum Rohmaterial erniedrigt hat.“ (Ebd.)  \n\n\n\n\n \n\n\n\nUnseres Erachtens zeigen sich sowohl Notwendigkeit als auch Drang zur Kritik in derAlltäglichkeit von Leiderfahrungen\, denn diese sind nicht zufällig oder bloß privat\, sondern Ausdruck des objektiven Zwangs zur Identifikation mit dem gesellschaftlichen Ganzen. Unter dem Diktat der selbstgeschaffenen abstrakten Herrschaft und den damit einhergehenden Imperativen zu Disziplinierung und Kontrolle von Psyche und Körper –schon diese Resultat jener – muss sich in einer durch Tausch\, allseitiger Konkurrenz und (Selbst-)Verwertung strukturierten Gesellschaft behauptet werden. \n\n\n\nWo und wie ist Kritik unter den Bedingungen der Totalität der kapitalistischen Gesellschaft\, in der die Logiken von Warentausch und (Selbst-)Verwaltung alle Lebensbereiche\, Bedürfnisse und Selbstverhältnisse durchdringen\, überhaupt noch möglich? Uns stellt sich die Frage nach der Grundlage eben jener Kritik\, die den Anspruch erhebt\, sich gegen die Zwänge der Totalität zu richten\, wenngleich sie doch\, dem Begriff der Totalität nach\, Teil eben dieser ist? Es lässt sich so viel Leid und Zerstörung in der Welt anprangern\, dass ein Blick auf die Schlagzeilen der Tageszeitungen ausreichend sollte\, um mit Gewissheit sagen zu können\, dass aufhören muss\, was ist. \n\n\n\nDabei nehmen wir an\, dass Geschichte und Gegenwart von der Tatsache gezeichnet sind\, dass Leid nicht sein soll und doch alltägliche Normalität ist. Es steht eben nicht außerhalb des Alltags\, sondern wird in seinem Inneren produziert und verwaltet. Diese (scheinbare) Aporie gerinnt im geschichtslos gewordenen neoliberalen Denken zu einem Dogma\, das sie als naturwüchsig und mithin als alternativlos erscheinen lässt. Die (Selbst-)Unterdrückung des Körpers ist Teil der Naturbeherrschung\, die Adorno undHorkheimer in der Dialektik der Aufklärung als Grundbewegung bürgerlicher Subjektwerdung beschrieben haben. Die Konstitution des autonomen Ichs ist verschränkt mit der Unterwerfung innerer und äußerer Natur. Herrschaft reproduziert sich so im Selbstverhältnis der Subjekte. \n\n\n\nDie Erfahrungen von Leid\, Erschöpfung\, Angst\, diffusem Unbehagen und dem Gefühl\, dass „etwas nicht stimmt“\, dass eine innere Leere sich immer wieder geltend macht\, verweisen darauf\, dass die Identifikation des Einzelnen mit dem Ganzen nicht restlos aufgeht. Gleichwohl werden auch jene Erfahrungen psychologisiert und funktionalisiert. Ob in therapeutischen Settings\, Resilienztrainings oder Achtsamkeitsprogrammen – vielfach geht es darum\, Subjekte schlicht wieder arbeits- und konkurrenzfähig zu machen\, wobei das Leiden individualisiert und ent-gesellschaftet wird: seine Ursachen verschwinden hinter medizinischen Diagnosen und Selbstoptimierungsimperativen\, die sich heute auch als vermeintliche Zartheit tarnen können. \n\n\n\nUm diesem Elend als vereinzelte Einzelne zu entfliehen\, wird sich immer wieder auch in der Sehnsucht nach Gemeinschaft und Identifikation mit konsumierbaren Bildern und Vorstellungen ergangen\, um sich selbst einreden zu können\, dass man doch etwas Besonderes oder Teil von etwas Höherem ist. Hierin zeigt sich aber auch die Relevanz unserer Fragestellung: Lässt sich durch die Kritik der als vereinzelt daliegenden Leiderfahrungen deren allgemeiner Anteil freilegen? Kann die Hinwendung zu konkreten\, uns immer auch selbst betreffenden Alltagserfahrungen einen Zugang zur gesellschaftlichen Totalität eröffnen – ohne diese als unmittelbare zu fetischisieren\, als etwas Authentisches zu verklären oder bloß moralisch zu überhöhen? Wenn Kritik heute noch möglich ist\, dann vielleicht dort\, wo die Identifikation mit dem Ganzen leiblich gespürt wird – in Bewusstwerdung des Leids\, das sich eben nicht vollständig integrieren lässt\, obschon selbst der Versuch mittlerweile Produkt der Verwertung ist. Wir möchten den Kein-Kongress als Versuch verstehen\, diesen Zusammenhang von Körper\, Leid und Totalität theoretisch zu durchdringen. Dabei geht es nicht um die Feier subjektiver Betroffenheit\, sondern um die Freilegung des gesellschaftlichen Gehalts individualisierter Erfahrungen. Wenn das Leiden der Einzelnen nicht einfach privat ist\, sondern Ausdruck eines allgemeinen Zwangszusammenhangs\, dann könnte in seiner reflektierten Artikulation ein Moment von Kritik liegen.
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SUMMARY:Feminismus der dummen Kerls* – Transfeindlichkeit und die Verteidigung der „Natürlichen Ordnung“ | Ein Vortrag von Lara Wenzel
DESCRIPTION:Nationalistische Bewegungen gehen in den letzten Jahren gezielt gegen die Errungenschaften feministischer und queerer Kämpfe vor. Im Namen einer ‚Natürlichen Ordnung‘ greifen sie das Recht auf körperliche Selbstbestimmung an\, um eine binäre Geschlechterhierarchie durchzusetzen. Die reaktionäre Bewegung hat einen überraschenden Partner: Gender Critical Feministinnen setzen sich unter dem Deckmantel der Stärkung von Mädchen- und Frauenrechten für eine biologistische und exklusive Vorstellung von Geschlecht ein und arbeiten daran\, mit einer transfeindlichen Bedrohungskulisse die Selbstbestimmung von jungen Menschen anzugreifen. \n\n\n\nDer Vortrag zeigt anhand theoretischer Bezüge zu Moishe Postone\, wie transmisogyner Hass mit antisemitischen Bedrohungsfantasien verwoben ist. Insbesondere durch die Überhöhung von ‚natürlicher‘ Weiblichkeit und Abwertung ‚abstrakter‘ Genderidentität entsteht eine strukturelle Nähe\, die sich in Vorstellungen von einer übermächtigen ‚Trans Lobby‘ oder der Sexualisierung von transfemininen Personen\, denen eine eindringende Sexualität zugeschrieben wird\, niederschlägt. Der Vortrag analysiert\, wie insbesondere transfeminine Personen zur Projektionsfläche eines gesellschaftlichen Backlashs werden und wie dafür der vermeintliche Schutz von Kindern zur Legitimation patriarchaler Normen instrumentalisiert wird.
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SUMMARY:Die Deutschen und das Brot – Überlegungen zum Sozialdarwinismus | Ein Vortrag von Simeon Winter
DESCRIPTION:Wer kennt es nicht\, die wehmütigen Klagen im Urlaub\, wenn es mal wieder nur labberiges Weißbrot gibt und kein reichhaltiges Vollkornbrot. Der deutsche Kulturmensch weiß\, was gut ist\, und das hat ihm die UNESCO auch noch mit dem Weltkulturerbe beglaubigt. Das deutsche Brot ist das Beste\, das ist doch klar. Deshalb gilt: Wer „deutsch“ sagt\, sagt auch Liebe zum Brot\, ob er will oder nicht. So unschuldig-unbefangen die Neigung\, sich gediegen ein Brot zu schmieren\, auch sein mag\, lässt sich im Elend des Ganzen nichts Unberührtes herausscheiden und zum positiv Guten erheben. \n\n\n\nNun soll aber nicht das Anliegen des Vortrags sein\, im Nachweis der spezifisch deutschen Verhältnisse zum Vollkornbrot\, welche sich bis in die Blut- und Boden-Ideologie des NS verfolgen lassen\, ein Plädoyer für „Sammys Sandwich“ zu halten. Dabei liegt dies historisch nicht einmal allzu fern\, denn in der Sorge um die Wehrfähigkeit und Autarkie der Ernährung des deutschen Volkskörpers sollte das Brot von deutschem Boden die Importe von industriell und damit dem organisch Guten widersprechendem Weizenmehl aus den USA ersetzen. Auch wenn es für die Pointe dienlich wäre\, lässt sich gewiss keine nahtlose Kontinuität des Nachlebens des Nationalsozialismus in der Liebe zum Brot herstellen. \n\n\n\nDer Vortrag wird sich deshalb vermittelt über das Brot dem sich in dieser unscheinbaren Ware kristallisierenden gesellschaftlichen Verhältnis annähern. In der Darstellung der Voraussetzungen für die Möglichkeit\, dass Natur und Gesellschaft in dieser Weise verschmolzen werden\, letztere nicht mehr erscheint und erstere unhintergehbar schicksalhaft wird\, soll der Versuch unternommen werden\, dies nicht im Sinne einer historischen Erklärung in dem Vergangenen beruhen zu lassen\, sondern durch den Nachvollzug auch versucht werden\, etwas über das „Wie es ist“ heute zu zeigen.
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SUMMARY:Oh\, ihr Menschenbrüder (Albert Cohen) | Lesung mit Renate Obermaier und Heinzl Spagl
DESCRIPTION:Während Albert Cohen in Frankreich als Schriftsteller ersten Ranges gilt\, ist er hierzulande beinahe unbekannt. Oh\, ihr Menschenbrüder (fr. Ô vous\, frères humains) begriff er als sein Testament. In dem Alterswerk wendet sich Cohen\, der sich dem Tode nahe sieht\, seinem sehr viel jüngeren Ich zu und teilt darin seine Erfahrung mit\, die ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte. Als er an seinem zehnten Geburtstag von einem französischen Straßenhändler als Jude beschimpft wird\, bricht für ihn eine Welt zusammen. Was folgt\, ist eine Erschütterung\, wie sie womöglich nur die Literatur darzustellen vermag. Der Antisemitismus\, der ihm in der alltäglichsten Szene entgegenschlägt\, ist nicht mehr der alte\, christliche Antisemitismus\, sondern der radikale Antisemitismus der Dreyfus-Affäre. Dieser Antisemitismus hat – wie Cohen selbst festhält – seinen Fluchtpunkt in den deutschen Vernichtungslagern. \n\n\n\nDie Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Referat Politische Bildung des StuRa der TU Dresden\, dem Alternativen Zentrum Conni und dem ça ira-Verlag\, in welchem Albert Cohens Werk 2024 in deutscher Übersetzung erschien.
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SUMMARY:Über den Freiburger Materialismus | Ein Vortrag von Jörg Finkenberger
DESCRIPTION:Von Joachim Bruhn stammt die Bemerkung\, Guy Debord habe letztlich nur einen zitierfähigen Satz hinterlassen: „Die Wahrheit dieser Gesellschaft ist die Negation dieser Gesellschaft.“ Nach längeren Vorhaltungen ließ er gelegentlich noch einen zweiten gelten: „In der wirklich verkehrten Gesellschaft ist das Wahre nur ein Moment des Falschen.“ Beides sind schöne Sätze\, vor welchen der Marxist steht wie der Ochs vorm Berge. \n\n\n\nDie Geschichte des Marxismus ist auch die eines ausgebliebenen Übergangs: des Übergangs zum Materialismus. Stattdessen hat man sich daran gewöhnt\, die Kritik der Gesellschaft im Verhältnis von Theorie und Praxis zu behandeln. Die Theorie soll erklären\, die Praxis verwirklichen\, was jene zuvor erkannt hat. In der Philosophie blieb man dergestalt Hegelianer\, in der Praxis wurde man autoritär – beides stützt sich gegenseitig. \n\n\n\nStattdessen ginge es um das Verhältnis von Kritik und Krise. Was aber soll das heißen? Sehen wir uns einmal nach den Grundlagen des sogenannten Freiburger Materialismus um\, einfach auf den Verdacht hin\, dass man dort vielleicht dazumal recht gehabt haben könnte. Vielleicht finden wir auch eine Antwort auf die Frage\, die sich in linken Kreisen alle stellen und die doch niemand ernsthaft auszusprechen wagt: Was ist das eigentlich\, Materialismus?
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SUMMARY:Auf dem Weg durch die Eiswüste – Die Rolle der Abstraktion für kritische Bildung | Ein Vortrag von Simon Helling
DESCRIPTION:In der Abstraktion scheint alles Übel zu liegen: Sie verhält sich negativ zur Sinnlichkeit\, steht im Ruf\, sie ausmerzen oder beherrschen zu wollen und als abstrakte Arbeit liegt in ihr der Keim der schlechten kapitalistischen Wirklichkeit. Doch in der Tat liegt das Problem der Abstraktion nicht ausschließlich in ihr selbst\, sondern vielmehr darin\, was ihr Ergebnis ist und wie mit ihm umgegangen wird. Für einen Bildungsprozess\, der zur Kritik befähigen soll\, ist sie vielmehr unumgänglich. Solche kritische Bildung wird unmöglich\, wenn sie mit der schlechten Wirklichkeit der Abstraktion in eins gesetzt wird. Die angedeutete ambivalente Rolle der Abstraktion soll im Vortrag mit Passagen aus dem Buch „Über das Gegebene hinaus“ erläutert werden.
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SUMMARY:Entfremdung als Objektivität: Eine gesellschaftskritische Analyse des positivistischen Wissenschaftsideals | Ein Vortrag von Christine Zunke
DESCRIPTION:Bei dem Begriff Entfremdung denken klassisch geschulte Marxist:innen an proletarische Lohnarbeiter:innen\, die im vom Fließband vorgegebenen Takt als Teil einer Produktionsstraße Verrichtungen ausführen\, deren Sinn im Gesamtprozess ihnen herzlich egal sein kann\, solange sie vom Gehalt am Monatsende ihre Reproduktionskosten bestreiten können. Doch auch in der Wissenschaft hielt mit Beginn der Industrialisierung die Entfremdung Einzug\, nicht nur durch zunehmende Arbeitsteilung\, sondern auch durch ein neues Wissenschaftsideal\, das die Abspaltung der Privatheit der Subjekte aus dem öffentlichen Arbeitsraum gleichermaßen spiegelt wie einfordert: Das positivistische Diktum einer allein an empirisch messbaren Tatsachen zu erfassenden Objektivität trennt jede gedankliche Reflexion über Sinn und gesellschaftliche Funktion von der Wissenschaft ab und bannt sie in den privaten Raum subjektiver Meinung. Durch diese strenge Binarität von objektiven Tatsachen auf der einen Seite und ihrer bloß subjektiven Bewertung auf der anderen ist axiomatisch gesetzt\, dass eine Kritische Theorie von Gesellschaft keine objektive Geltung haben kann. \n\n\n\nEntwicklung\, Funktion und Folgen von diesem Mechanismus\, über welchen die kapitalistische Gesellschaft sich hermetisch gegen jede wissenschaftliche Ideologiekritik abriegelt und sie bestenfalls in die Feuilletons verbannt\, sollen in diesem Vortrag beleuchtet und diskutiert werden.
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SUMMARY:Aktivismus im Kapitalismus – Persönliche Konflikte als Kristallisation gesellschaftlicher Widersprüche!? | Ein Vortrag von Minze Maraffa
DESCRIPTION:Nach vielen Jahren Erfahrung in aktivistischer Selbstorganisation in unterschiedlichsten Gruppen konnte ich lernen\, dass sich manche Konflikte in dieser Praxis nicht mehr wegdenken lassen\, da sie zwanghaft in allen Kontexten auftauchen. Um einige zu nennen: Wer macht wann welche Arbeiten und bekommt dafür welche Anerkennung? Wie gehen wir damit um\, wenn Menschen auf sich selbst und ihre »Kappas« achten und deshalb andere im Burn-Out landen\, um ein Projekt über Wasser zu halten? Und warum haben die meisten aktiven Menschen Gewissensbisse\, da sie tagtäglich abwägen müssen\, ob sie ihrer bürgerlichen Tätigkeit oder ihrer aktivistischen Praxis die begrenzte Zeit\, die sie haben\, zur Verfügung stellen möchten? \n\n\n\nDas Ziel dieses Vortrages ist es\, die Widersprüche aktivistischer Praxis als bestimmte Ausdrucksformen der kapitalistischen Gesellschaft zu verstehen. Denn Aktivismus steht unserer Gesellschaft nicht als eigenes Gegenüber\, sondern ist fester Bestandteil von ihr. Indem die aktivistischen Widersprüche als Kristallisationen gesellschaftlicher Widersprüche dargestellt werden können\, erweisen sich die immer wiederkehrenden Konflikte in selbstorganisierten und aktivistischen Räumen nicht mehr als individuelle Probleme\, sondern als Probleme der Individuation. Denn ein Kernanliegen des Aktivismus in unserer Gesellschaft besteht darin\, ein Selbst und eine Individualität\, die vom Kapitalismus tagtäglich erwartet wird und durch die Struktur der Arbeit immer prekär ist\, zu pflegen und (manchmal auch) zu inszenieren. Erscheinen die Widersprüche aktivistischer Praxis als persönliche Probleme – oder wird sogar versucht\, diese durch ›Disziplinierung‹ zu bearbeiten – dann tritt eine Verkehrung auf\, in der gesellschaftliche Widersprüche als individuelle Probleme erscheinen. Aktivismus\, der das Leiden an dieser Gesellschaft beenden will\, sollte sich dieser Struktur bewusst werden. Die Relevanz der hier vollzogenen Reflexionen liegt deshalb darin\, dass sich die aktivistische Praxis ihrer eigenen gesellschaftlichen Funktion bewusster wird. Dadurch\, so die Hoffnung dieses Vortrages\, wird eine Klarheit über Rolle\, Motivation und Möglichkeitsräume aktivistischer Praxis größer. \n\n\n\nDer Vortrag richtet sich an ein Publikum\, das an Reflexion interessiert ist und gegebenenfalls aus der aktivistischen Praxis kommt. Dem Anspruch nach wird kein fundiertes theoretisches Vorwissen benötigt. Hoffentlich wird der Vortrag dem Anspruch gerecht.
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SUMMARY:Alexander Kluge – Ein Abend zu Theorie\, Film und Literatur
DESCRIPTION:Ob in Kurzgeschichten\, theoretischen Arbeiten\, Filmen und Installationen – das kritische Denken des kürzlich verstorbenen Alexander Kluge äußerte sich in ganz verschiedenen Ausdrucksformen. An diesem Abend wollen wir uns einigen davon nähern und so einen Einblick in sein Werk vermitteln.  \n\n\n\nKluge selbst betonte\, sein Hauptwerk liege in seinen Büchern. Den theoretischen Schwerpunkt bilden dabei seine gemeinsamen Arbeiten mit dem Sozialphilosophen Oskar Negt\, die wir auszugsweise näher vorstellen möchten. Sie kreisen um die Idee einer emanzipatorischen Gegenöffentlichkeit und unternehmen es\, »die analytischen Begriffe der politischen Ökonomie nach unten\, zu den wirklichen Erfahrungen der Menschen hin« zu öffnen. Anhand von Kluges mehrmals neu arrangierten Buch »Schlachtbeschreibung«\, das sich der Schlacht von Stalingrad 1942/43 widmet\, wird zudem ein Einblick in seine Geschichtskonzeption durch Text-Montage gegeben.  \n\n\n\nHinsichtlich seines filmischen Schaffens widmen wir uns ausgewählten Kurzfilmen aus seinem Projekt »Nachrichten aus der ideologischen Antike« (2008) zu Karl Marx und Sergej Eisenstein – auch bekannt als Versuch\, das Kapital zu verfilmen.
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SUMMARY:Adorno und der Wert – ein erkenntnistheoretisches Problem? | Ein Vortrag von David Schutzbach
DESCRIPTION:„Der Philosoph\, das zusehende Bewusstsein\, das den Begriff entfaltet\, ist die Kritische Theorie; aber wer spielt die Rolle des erscheinenden Wissens? Wer macht die Erfahrung der gesellschaftlichen Objektivität und vor allem\, wie macht er sie?“ (Helmut Reichelt) \n\n\n\nErscheint dem Philosophen – den Reichelt hier die Kritische Theorie nennt – die Gesellschaft so\, wie sie ist? Ist das erscheinende Wissen gleichzeitig die Art und Weise\, nach der Gesellschaft verstanden\, oder eben gewusst werden kann? Wozu muss dann erst ein Begriff der Gesellschaft entfaltet werden\, wenn sie ‚wie von selbst‘ erscheint? Reichelt hat diese Fragen selbst auf Adornos Marx-Lektüre bezogen; einen Schritt\, den ich in diesem Vortrag (ganz ohne Reichelt) nachvollziehe\, nämlich\, dass dieser Begriff von Gesellschaft nur im Anschluss an die Kritik der politischen Ökonomie möglich ist. Ich werde aber andere\, nicht-philosophische Fragen aufwerfen: bedarf es einer Erkenntnistheorie der Gesellschaft? Ist die Gesellschaft\, die uns jeden Tag umgibt – umgibt sie uns\, oder sind wir sie? – nicht selbstverständlich\, einfach da\, als die\, die sie ist? \n\n\n\nIn diesem Vortrag wird die Rolle der Erkenntnis der Gesellschaft entlang des Werks von Adorno entfaltet und über den Weg beantwortet\, den die Erkenntnis historisch selbst in Form von (philosophischem) Wissen ging: Über die Anfänge der Philosophie in Griechenland\, wo zuerst das Problem der Abstraktion entdeckt und sogleich verdeckt wurde; über die neuzeitliche Revolution der Wissenschaften\, die auch die Philosophie für alle Zeiten versehrte; bis hin zu Adornos Gegenwart und den Philosophien\, die in dieser wirken\, und uns auch heute noch heimsuchen: Positivismus und Ontologie\, oder: Tatsachenklauberei und Volksphilosophie. \n\n\n\nDass hier (vorerst) nicht explizit Marx oder der Marxismus vorkommen\, hat bei Adorno Gründe\, die ich im Laufe des Vortrags zuspitzen will: Marx steckt in Adornos Methode\, der Dialektik. Über den historischen Nachvollzug der Philosophie hinweg will ich Adornos Zeitdiagnose erklären\, die nach Auschwitz und im Spätkapitalismus vor dem Problem steht\, Philosophie überhaupt zu rechtfertigen. Dabei stellen beide – die große Katastrophe und die Gesellschaft\, die sie hat vorbereiten helfen\, und heute kräftig weiterhilft – ein philosophisches Problem dar\, das weit über einen äußeren Einfluss auf die Philosophie hinausgeht\, und vielmehr das Denken\, oder wie gedacht wird\, betrifft; das antike Problem der Abstraktion ist auch ein heutiges\, das reale\, oder objektive Gründe hat. Eine sich real vollziehende Abstraktion ist das Problem\, das Adorno versucht\, anzugehen: den Wert als Konstitutionsbedingung der Gesellschaft wie des Denkens. Eine Erkenntnis- als Gesellschaftstheorie ist zugleich Anlass wie Ziel des Vortrags und gibt Einblick in die Methode Adornos\, die immer noch nicht ganz aufgedeckt ist\, lässt sich ihr doch nicht viel darüber entlocken\, wie Philosophie\, Soziologie\, Kulturkritik und viele weitere Betätigungsfelder Adornos in einem engen inneren Zusammenhang stehen. Dieser Vortrag will diesem Zusammenhang nachgehen und begründen\, warum er besteht.
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SUMMARY:Lesekreis: Die Fesseln der Liebe (Jessica Benjamin)
DESCRIPTION:Die Fesseln der Liebe (orig.: The Bonds of Love) von Jessica Benjamin wurde erstmals im Jahr 1988 veröffentlicht. Allerdings wirkt das Werk auf viele Rezipient:innen noch heute\, fast 40 Jahre später\, äußerst aktuell. Denn die Autorin gibt darin eine Erklärung für das vergeschlechtlichte Zusammenspiel von Begehren und Patriarchat. Sie analysiert\, wie dieses im Denken und Handeln intersubjektiv reproduziert wird und zeigt so\, dass patriarchale Herrschaft nicht unabhängig von der psychischen Disposition der Subjekte gedacht werden kann. Wir alle sind demnach durch die Art und Weise\, wie wir uns aufeinander beziehen\, von Kindheit an in den Herrschaftszusammenhang verstrickt. Damit nimmt sich Benjamin nicht weniger vor\, als die Psychoanalyse nach Freud einer grundlegenden Revision und feministischen Kritik zu unterziehen\, um das Patriarchat und mit ihm das vergeschlechtlichte Subjekt neu zu denken. \n\n\n\nIm Lesekreis wollen wir uns ihr Werk gemeinsam erschließen und diskutieren. Eingeladen sind alle\, die Interesse an einer derartigen Auseinandersetzung haben – unabhängig vom Kenntnisstand in feministischer und psychoanalytischer Theorie. Bei der ersten Sitzung am 8. Mai werden wir uns ein gemeinsames Konzept für den Lesekreis überlegen. Das heißt\, dass es keine Exper:innen gibt\, welche durch den Text leiten. Dafür haben alle die Möglichkeit\, den Modus mitzubestimmen und sind eingeladen durch Diskussionsbeiträge\, Moderation und Protokollführung zu unterstützen. Der Lesekreis wird ab dem 08.05.2026 immer zweiwöchig freitags von 17:00 bis 19:00 in der disputhek stattfinden. \n\n\n\nWenn ihr darauf Lust habt\, meldet euch gern an unter: disput[at]disputhek.de
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SUMMARY:Lesekreis: Die Pariser Manuskripte
DESCRIPTION:»Wenn der wirkliche\, leibliche\, auf der festen wohlgerundeten Erde stehende\, alle Naturkräfte aus- und einatmende Mensch seine wirklichen\, gegenständlichen Wesenskräfte durch seine Entäußerung als fremde Gegenstände setzt\, so ist nicht das Setzen Subjekt; es ist die Subjektivität gegenständlicher Wesenskräfte\, deren Aktion daher auch eine gegenständliche sein muß. Das gegenständliche Wesen wirkt gegenständlich\, und es würde nicht gegenständlich wirken\, wenn nicht das Gegenständliche in seiner Wesensbestimmung läge. Es schafft\, setzt nur Gegenstände\, weil es durch Gegenstände gesetzt ist\, weil es von Haus aus Natur ist. In dem Akt des Setzens fällt es also nicht aus seiner ›reinen Tätigkeit‹ in ein Schaffen des Gegenstandes\, sondern sein gegenständliches Produkt bestätigt nur seine gegenständliche Tätigkeit\, seine Tätigkeit als die Tätigkeit eines gegenständlichen natürlichen Wesens.«(MEW 40:570) \n\n\n\nDer Lesekreis startet am 8. Mai um 11 Uhr mit der Vorrede und Manuskript I\, d.h. MEW 40:467-522. \n\n\n\nUm eine Anmeldung per Mail an disput[at]disputhek.de wird gebeten.
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SUMMARY:Zwischen der Anderen und Selbsterhaltung | Ein Vortrag von Gwendal Lamay
DESCRIPTION:„Wieso hätte […] unsere leidenschaftliche Identifizierung mit dem Anderen (autrui) nicht als Bedingung der Möglichkeit eine fast unbewusste intellektuelle Zusammenkunft (communion) der unendlichen Teile unserer Geister?“ (Alexandre Matheron) \n\n\n\nNichts kann unterschiedlicher sein\, als ein Reden über andere und das wirkliche Reden mit meinem Gegenüber. Im Schreiben über sie kann ich ihr nie treu sein\, verrate sie und lasse sie vor meinen Augen versteinern\, zu etwas werden\, etwas\, was sie nicht sein kann. Nun fällt es mir schwer\, schreibend nicht doch immer wieder bei ihr zu landen\, in der Hoffnung\, ihr dieses Mal wirklich gerecht zu werden. Der Vortrag wird schauen\, wo die Andere (vielleicht) zu finden ist und wie der Weg zu ihr (mag er von seiner Struktur her ziellos sein und auf nichts Bestimmtes hinauslaufen) den Weg selbst versperrt. \n\n\n\nSich selbst versperrend soll der Weg anhand einer spinozistischen Rahmung begangen werden\, in der die Erfahrung der Anderen (Lévinas) in einen Dialog mit einer Theorie gebracht wird\, die scheinbar das Selbst in seiner unbedingten Erhaltung (conatus) zentriert. Dabei soll gezeigt werden\, wie Beziehungen zwischen unendlicher Nähe und unendlicher Distanz hin und her getrieben werden und wie die Objektivität und ihre Bearbeitung im Selbst sie er- und verunmöglicht.
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SUMMARY:Postmodern links – Ein Appell an Systematik und Selbstreflexion | Ein Vortrag von Ilse Bindseil
DESCRIPTION:Dass links wie alle anderen gesellschaftlichen Erscheinungen dem Zeitgeist unterworfen ist\, wird in einer Art Retrospektive\, auch einer persönlichen Aufarbeitung gezeigt\, dass links sich an einem Gesamtbegriff von Gesellschaft bewähren muss\, in einer abstrakten Überlegung verdeutlicht. \n\n\n\nErgänzung: Zur Frage\, wie es heute mit „links“ steht\, könnten sich andere und ungleich kompetenter äußern. Ich verstehe die Frage an mich\, die ich keine ausgewiesene\, eher eine aus den kritisch-theoretischen 68ern übriggebliebene Linke bin\, so: Was kann ich beitragen zu einer Bestimmung von links? \n\n\n\nBeitragen kann ich\, erstens\, etwas zum gedanklichen Hintergrund von links. Um einen tragenden\, auch einen schlagkräftigen Begriff\, ein Programm mit ihm verbinden zu können\, muss er auf Voraussetzungen fußen\, über die ich mir als einen vitalen Teil meiner Überzeugung klarwerden muss. Sich die Existenz solcher Voraussetzungen bewusst zu machen\, den Austausch über sie und mit ihnen zu pflegen\, dazu sollen meine Überlegungen einladen. Dass es sich dabei um alles andere als um „graue Theorie“ handelt\, davon sollen sie hoffentlich überzeugen. \n\n\n\nBeitragen kann ich\, zweitens\, etwas zum kurzen Abschnitt meiner Geschichte mit „links“. Da für mich Wahrheit nur in der Form – deutlicher: im Verlauf − der Auflösung falscher Vorstellungen existiert\, kann ich den von mir erlebten Abschnitt linker Geschichte nur als eine Geschichte weniger von Irrtümern und Lügen als vielmehr von geborgten Verkörperungen erzählen. Als „genuin links“ bleibt dabei eigentlich nur die Haltung rigoroser Selbstkritik und\, auf der affirmativen Seite\, das Vertrauen in „links“ als ein dem Kantischen „Geschichtszeichen“ analoges „Begriffszeichen“ übrig\, das mich auf dem rechten Weg hält.
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SUMMARY:Lesekreis Dialektik der Aufklärung
DESCRIPTION:[ab dem 16. April donnerstags ab 19 Uhr] \n\n\n\nJürgen Habermas hat die 1944 erschienene Dialektik der Aufklärung als das schwärzeste Buch (Habermas 1988: 130) der Philosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bezeichnet. Die Dialektik der Aufklärung scheint seither nicht nur für Habermas ein durchaus pessimistisches Buch zu sein: die darin vertretene Zeitdiagnose behaupte ja die Verschlingung von Mythos und Ratio\, die einseitig aufgelöst im Triumph der Barbarei über die Vernunft münde; in der Menschheitsgeschichte seien die Menschen demnach nicht über die Zeit vernünftiger\, die Verhältnisse nicht menschlicher geworden\, und überhaupt\, die Einrichtung einer Gesellschaft der Freien und Gleichen\, wie sie seit der Neuzeit in bürgerlichen und proletarischen Revolutionen gleichermaßen angestrebt wurde\, für gescheitert erklärt.  \n\n\n\nWir wollen uns daher – ist das Buch doch in der dunkelsten Stunde des 20. Jahrhunderts entstanden – genauer anschauen\, ob die Diagnose\, die Adorno und Horkheimer der geschichtlichen Entwicklung und den Gesellschaften\, die diese vorangetrieben haben\, unterbreiten\, trägt. Ist Vernunft heute Unvernunft\, Hypermoderne ein versteckter Archaismus und die Wissenschaft vollendeter Aberglaube – sind das Scheitern des aufklärerischen Denkens im Nationalsozialismus und die zynische Verwirklichung der technischen Rationalität in den Vernichtungslagern tatsächlich unrettbare Erben der Geschichte der Philosophie? Lässt sich angesichts dessen\, was geschehen ist\, Philosophie auch heute weiter betreiben\, die Philosophie\, die gemäß ihrer Ursprünge an die Eudämonie\, das geglückte Leben glaubte\, und stets dafür zu kämpfen bereit war?  \n\n\n\nIm Lesekreis wollen wir die Dialektik der Aufklärung daher im Sinne einer immanenten Kritik (der Philosophie wie der bürgerlichen Gesellschaft) lesen\, als eine Kritik\, die Aufklärung und Denken\, Rationalität und Vernunft nicht hinter sich zu lassen gewillt ist\, sondern einen Weg aus dem Inneren dieser Begriffe und der Gesellschaft\, innerhalb derer sie entstanden sind\, sucht. Immanente Kritik kommt daher ohne transzendente Gewissheiten\, ein ontologisches Fundament oder metaphysische Voraussetzungen (Voller 2022: 356) aus – sie arbeitet sich an der Genese dieser Begriffe ab und überprüft ihre Geltung in und anhand der gegenwärtigen Gesellschaft.  \n\n\n\nGegenstände der immanenten Kritik sind in dem von uns zu lesenden Buch neben dem philosophischen Denken und seiner Geschichte sowie dem Wirken der Massenmedien zur Mitte des 20. Jahrhunderts zentral die Anamnese des den Völkermord an den europäischen Juden ermöglichenden Antisemitismus\, der auch nach 1945 – wurde das Buch 1947 erweitert wiederveröffentlicht\, bevor es 1969 endgültig auf den deutschen Markt kam – in den demokratischen Gesellschaften des Westens für die beiden Autoren umso extensiver fortwest. \n\n\n\nFür uns heute sind die drei genannten Gegenstände\, die nicht auf einen abstrakten Begriff gebracht werden können\, weiterhin zentral; eine Beschäftigung mit ihnen geboten. Vielleicht ist das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte gemäß der Stimmung\, die Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung beim Lesen dieses Kapitels so brilliant einzufangen vermochten\, auch die unsrige: Schock angesichts des Gegebenen\, der nicht zur Resignation\, sondern zum emphatischen Denken uns verleiten muss\, angesichts aller Hoffnungslosigkeit. – “Diese Stimmung\, diese Einstellung ist nicht mehr die unsrige”\, schreibt Jürgen Habermas (1988: 130)\, und wir sind gezwungen zu antworten: ‘Diese Stimmung\, diese Einstellung sollen nicht mehr die unsrigen sein\, und doch sind wir verpflichtet\, sie zu spüren und sie einzunehmen.’ \n\n\n\n\n\n\n\nHabermas\, Jürgen (1988): Die Verschlingung von Mythos und Aufklärung: Horkheimer und Adorno. In: ders.: Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp\, S. 130-157. \n\n\n\nVoller\, Christian (2022): In der Dämmerung. Studien zur Vor- und Frühgeschichte der Kritischen Theorie. Berlin: Matthes und Seitz. \n\n\n\n\n\n\n\nPrimärliteratur:  \n\n\n\nHorkheimer\, Max; Adorno\, Theodor W. (2014 [1944/1947]): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: Alfred Schmidt & Gunzelin Schmid Noerr (Hrsg.): Max Horkheimer. Gesammelte Schriften. Band 5: ‚Dialektik der Aufklärung‘ und Schriften 1940-1950. Frankfurt am Main: Fischer\, S. 13-290. \n\n\n\nSekundärliteratur: \n\n\n\nBecker-Schmidt\, Regina (2017 [1991]): Identitätslogik und Gewalt. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Feminismus. In: dies.: Pendelbewegungen – Annäherungen an eine feministische Gesellschafts- und Subjekttheorie. Aufsätze aus den Jahren 1991-2015. Opladen\, Berlin & Toronto: Verlag Barbara Budrich\, S. 231-247. [Aufsatz] \n\n\n\nAdorno\, Theodor W. (2019 [1948]): Bemerkungen zu The Authoritarian Personality von Adorno\, Frenkel Brunswik\, Levinson\, Sanford. In: Eva-Maria Ziege (Hrsg.): Bemerkungen zu ‘The Authoritarian Personality’ und weitere Texte. Berlin: Suhrkamp\, S. 21-70. [aus Adornos Nachlass] \n\n\n\nClaussen\, Detlev (1994): Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus. Frankfurt am Main: Fischer. [Monographie] \n\n\n\nGramm\, Gerhard (1985): Vom „Zeitkern der Wahrheit“. Anmerkungen zu Geschichte und Wahrheit in der Kritischen Theorie. In: Gerhard Gramm (Hrsg.): Angesichts objektiver Verblendung. Über die Paradoxien kritischer Theorie. Tübingen: Konkursbuchverlag\, S. 229-251. [Sammelband-Beitrag] \n\n\n\nGrimminger\, Rolf (1990): Die Gegenwart und das Erbe der Dialektik der Aufklärung der Vergangenheit. In: ders.: Die Ordnung\, das Chaos und die Kunst. Für eine neue Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main: Suhrkamp\, S. 11-112. [Buchkapitel] \n\n\n\nHesse\, Heidrun (1986): Vernunft-Geschichte im Bannkreis der Wiederholung. Die Grundfigur der Dialektik der Aufklärung: der Mythos vom Immergleichen. In: dies.: Vernunft und Selbstbehauptung. Kritische Theorie als Kritik der neuzeitlichen Rationalität. Frankfurt am Main: Fischer\, S. 117-136. [Buchkapitel] \n\n\n\nHindrichs\, Gunnar (2020): Unendliche Vorgeschichte. Die Modernitätsbestimmung der Dialektik der Aufklärung. In: ders.: Zur kritischen Theorie. Berlin: Suhrkamp\, S. 91-119. [Aufsatz] \n\n\n\nInstitut für Sozialforschung (Hrsg.) (1991 [1956]): Soziologische Exkurse. Nach Vorträgen und Diskussionen. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt. [Sammelband] \n\n\n\nKamper\, Dietmar (1987): Aufklärung – was sonst? Eine dreifache Polemik gegen ihre Verteidiger? In: Dietmar Kamper & Willem van Reijen (Hrsg.): Moderne versus Postmoderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp\, S. 37-45. [Sammelband-Beitrag] \n\n\n\nMensching\, Günther (1984): Zu den historischen Voraussetzungen der „Dialektik der Aufklärung“. In: Michael Löbig & Gerhard Schweppenhäuser (Hrsg.): Hamburger Adorno-Symposion. Springe: Zu Klampen\, S. 25-45. [Sammelband-Beitrag] \n\n\n\nNeckel\, Sighard (2005): Die Verwilderung der Selbstbehauptung. Adornos Soziologie: Veralten der Theorie – Erneuerung der Zeitdiagnose. In: Axel Honneth (Hrsg.): Dialektik der Freiheit. Frankfurter Adorno-Konferenz 2003. Frankfurt am Main: Suhrkamp\, S. 188-204. [Sammelband-Beitrag] \n\n\n\nRaulet\, Gérard (1986): Gehemmte Zukunft. Zur gegenwärtigen Krise der Emanzipation. Darmstadt/Neuwied: Luchterhand. [Monographie] \n\n\n\nReijen\, Willem van; Schmid Noerr\, Gunzelin (Hrsg.) (1987): Vierzig Jahre Flaschenpost: ‚Dialektik der Aufklärung‘ 1947-1987. Frankfurt am Main: Fischer. [Sammelband] \n\n\n\nSchmid-Noerr\, Gunzelin (1997): Zur Ideengeschichte und Aktualität der Dialektik der Aufklärung. In: ders.: Gesten aus Begriffen. Konstellationen der Kritischen Theorie. Frankfurt am Main: Fischer\, S. 19-50. [Aufsatz] \n\n\n\nSchweppenhäuser\, Hermann (1986): Sprachbegriff und sprachliche Darstellung bei Horkheimer und Adorno. In: Alfred Schmidt & Norbert Altwicker (Hrsg.): Max Horkheimer heute: Werk und Wirkung. Frankfurt am Main: Fischer\, S. 328-348. [Sammelband-Aufsatz] \n\n\n\nVogelmann\, Frieder (2022): Adornos und Horkheimers emanzipierendes Wissen. In: ders.: Die Wirksamkeit des Wissens. Eine politische Epistemologie. Berlin: Suhrkamp\, S. 96-136. [Buchkapitel] \n\n\n\nZiege\, Eva-Maria (2009): Antisemitismus und Gesellschaftstheorie. Die Frankfurter Schule im amerikanischen Exil. Frankfurt am Main: Suhrkamp. [Monographie] \n\n\n\nTexte von Jürgen Habermas und Axel Honneth auf Anfrage erhältlich.
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SUMMARY:Buchenwald im Kreuzfeuer. Über die Entwicklungen in deutschen Gedenkstätten​​​ | Ein Vortrag von Richard-Hellmut Stoenescu und Kevin Holfeld
DESCRIPTION:Am Wochenende 11./12. April wollen zum 81. Jahrestag der Befreiung des damaligen Konzentrationslagers Buchenwald in Weimar linke Antisemiten unter dem Kampagnenmotto „Kufiyas in Buchenwald“ ein Gedenkwochenende veranstalten und am Sonntag demonstrieren. Dies reiht sich in eine vermehrte Anzahl von Angriffen auf das Gedenken sowie Gedenkstätten ein\, wie die jüngste Handreichung der RIAS unterstreicht. \n\n\n\nDass die Angriffe immer häufiger von links kommen\, lässt sich auch in der Causa Buchenwald beobachten. Die Vorgeschichte reicht bis ins vergangene Jahr und ist in der Öffentlichkeit spätestens seit dem August 2025 mit der Klage einer Trägerin der sogenannten Kufiya gegen die Gedenkstätte Buchenwald bekannt. Diese Klage und die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ sind Anlass\, sich mit der deutschen Gedenkstättenpolitik auseinanderzusetzen und die Hintergründe sowohl des Kufiya-Verbots als auch seiner Kritik zu beleuchten. \n\n\n\nRichard-Hellmut Stoenescu und Kevin Holfeld haben beide Neuere und Zeitgeschichte u.a. in Dresden und Potsdam studiert. \n\n\n\nEine Veranstaltung des disput e.V. und der Pirnaer Autonomen Linken.
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SUMMARY:Categories as Social Practice and the Value-Form of Experience | Ein Seminar von Franz Heilgendorff
DESCRIPTION:Für Kant ist das transzendentale Subjekt die formale Bedingung der Einheit der Erfahrung. Gesellschaftlich entspricht es der Wertform\, die uns zwingt\, die Welt in identifizierender und abstrahierender Weise zu synthetisieren. In der Kritischen Theorie wurden die Kategorien der Logik und Metaphysik daher als verdinglichte soziale Beziehungen kritisiert: Die dem erkennenden Subjekt zugeschriebene Abstraktion sei bereits real\, im Voraus innerhalb der Tauschgesellschaft vollzogen und der soziale Gehalt abstrakt-logischer Kategorien erkenn- wie kritisierbar. \n\n\n\nAber wie lässt sich die Einsicht\, dass Kategorien sedimentierte soziale Praxis sind\, in ein empirisches Forschungsdesign übersetzen? Es scheint\, Kategorien werden dort sichtbar\, wo sie „arbeiten“: wo sie scheitern\, repariert werden müssen oder ihre Rahmen gesprengt werden. Wie handhaben Subjekte in sozialen Bewegungen oder im Produktionsprozess abstrakte Kategorien wie Identität\, Kausalität oder Zeit und wie werden diese dabei transformiert? Welchen kategorialen Zwängen unterliegen wir\, um überhaupt als Subjekte handlungsfähig zu sein? Und lassen sich die Kategorien der Philosophie überhaupt nach „unten“ öffnen\, so dass darin eigene Erfahrungen artikuliert werden könnten? \n\n\n\nWährend die gesellschaftliche Produktion und der Markt beispielsweise eine lineare\, quantifizierbare Zeit erzwingen\, entstehen qualitative Zeiterfahrungen in den Sphären der Reproduktion und des Widerstands. In diesem Spannungsfeld verstrickt sich eine kategorial bestimmte Vernunft in Widersprüche. So entsteht Raum für das Vermögen der Phantasie (Negt\, Kluge\, Becker-Schmidt) und für einen Begriff von Klassenbewusstsein\, der nicht als bloße Artikulation von Interessen verstanden wird. Untersucht werden soll\, ob sich dabei eine tiefgreifende Umwälzung der Kategorien unserer Selbst- und Weltwahrnehmung vollzieht\, die die Ebene des kategorialen Apparates selbst erreicht. Das Seminar hat daher Forschungscharakter: einen empirischen Zugang zu entwickeln\, der diese kategorialen Verschiebungen sichtbar macht und fragt\, wie Erkenntnis- und Sozialstrukturen zusammenhängen. \n\n\n\n(Das Seminar wird auf Deutsch und/oder Englisch abgehalten.)
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SUMMARY:In postnazistischer Gesellschaft. Adorno und der Zwang zur Soziologie | Ein Vortrag von Dirk Braunstein
DESCRIPTION:Bourdieu hat Adorno einst vorgeworfen\, er habe sich geweigert\, die „Küche der Empirie“ zu betreten und sich in ihr „seine Hände zu beschmutzen“\, und das Gegenteil ist wahr. Denn mag sich Adorno anfänglich auch eine Karriere als Philosoph\, Komponist und Musikkritiker vorgestellt haben\, dessen Gesellschaftskritik sich vornehmlich in Kategorien der Ästhetik und der Kunst ausdrückt\, so wurde er von der historischen Entwicklung bald darüber belehrt\, dass eine kritische Theorie der Gesellschaft ohne die empirische Untersuchung ebendieser Gesellschaft kaum möglich\, gewiss jedenfalls nicht praktisch wirksam ist. \n\n\n\nDer Vortrag zeichnet den Weg Adornos von seiner frühen Beschäftigung mit Georg Lukács und Walter Benjamin übers Exil in den USA und die Wiederkehr nach Frankfurt nach\, bis er\, als Direktor des Instituts für Sozialforschung\, maßgebliche Studien zum politischen Bewusstsein der Westdeutschen leitete: vom „Gruppenexperiment“ in der neu gegründeten BRD bis zur „Heimkehrerstudie“ unter ehemaligen Kriegsgefangenen. Beide Untersuchungen verdeutlichen\, weshalb Adorno überhaupt nach Deutschland zurückgekehrt ist und weshalb deutsche Geschichte nicht vergeht.
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SUMMARY:Das Verschwinden des Holocaust – Zum Wandel der Erinnerung | Vortrag und Buchvorstellung mit Jan Gerber
DESCRIPTION:Die Erinnerung an den Holocaust schwindet\, seine Singularität wird zusehends infrage gestellt. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich\, daran zu erinnern\, dass sich die Erkenntnis von der Besonderheit des Verbrechens erst spät durchsetzte. Die Unterschiede zwischen Konzentrations- und Vernichtungslagern\, zwischen Buchenwald und Birkenau\, Belsen und Belzec\, waren lange kaum jemandem bewusst. Auch die Erinnerung begann zeitlich verzögert. Der Holocaust bewegte sich erst seit den Siebzigern aus den Vororten des Gedächtnisses an den Zweiten Weltkrieg in sein Zentrum. \n\n\n\nJan Gerber geht den Ursachen dieser Entwicklung nach. Damit fragt er zugleich nach den Bedingungen von Erinnerung und Erkenntnis – von Bedingungen\, die gegenwärtig zu erodieren scheinen. Die Gedächtnisgeschichte des Holocaust wird mit der Politik‑\, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts verbunden. Auf diese Weise werden die aktuellen Debatten über die Bedeutung des Holocaust\, sein Verhältnis zu den Kolonialverbrechen und die Politik Israels historisch eingeordnet. Es entsteht eine integrierte Geschichte der Holocausterinnerung. \n\n\n\nJan Gerber (Leipzig) ist Politikwissenschaftler und Historiker.
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SUMMARY:Lesekreis "Es denkt" (Ilse Bindseil)
DESCRIPTION:[Immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr] \n\n\n\nIrgendwie geht alles den Bach runter. Inflation\, Rechtsruck und Abschottung\, eine erstarkende AfD. Friedrich Merz fordert auf einmal\, dass Menschen 70 Stunden die Woche arbeiten sollen und ihre Rente durch Aktien sichern. Darüber lässt sich leicht den Kopf schütteln und sagen: Schlimm\, schlimm\, was für Idioten. Doch diese Verurteilung hilft nicht dabei\, die Gesellschaft\, in der wir alle gemeinsam leben\, besser zu verstehen. Und nur wenn wir verstehen\, in welcher Gesellschaft wir leben\, können wir sie überhaupt in eigene Regie nehmen\, können wir die Gesellschaft zu etwas Besserem verändern. Eine theoretische Auseinandersetzung damit\, was die Gesellschaft heutzutage ausmacht\, hilft\, die Gesellschaft besser zu verstehen. \n\n\n\nGleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Vorbehalte dagegen\, sich mit den Texten toter Männer zu beschäftigen. Ein Vorbehalt ist\, dass beispielsweise Marx oder Lenin als Autorität gehandhabt werden\, der es zu gehorchen gelte. Dann wird Marx oder Lenin gelesen\, aber nicht\, um die Gesellschaft besser zu verstehen\, sondern um Orientierung für die politische Praxis zu erhalten. Dann bedeutet Emanzipation\, Marx und Lenin richtig auszulegen und ihnen zu gehorchen. Ein anderer Vorbehalt ist\, dass die Auseinandersetzung mit der Theorie dazu benutzt wird\, um sich selbst über die anderen Menschen zu erheben. Dann gibt es die Gruppe der Gebildeten\, die verstanden haben\, wie die Gesellschaft funktioniert. Und damit auch die Gruppe der Idioten\, die es nicht verstanden hätten. Die Vorbehalte gegen eine theoretische Auseinandersetzung beziehen sich demnach darauf\, dass Theorie benutzt wird entweder\, um die eigene Praxis abzusichern\, oder\, um sich selbst über andere Menschen zu erheben. Dadurch ergibt sich die Frage\, was eigentlich die Aufgabe einer theoretischen Auseinandersetzung sein kann und sollte. \n\n\n\nDieser Frage möchten wir uns in einem Lesekreis widmen. Wir werden ‚Es denkt‘ von Ilse Bindseil (1945-) lesen. Bindseil ist eine kritische Theoretikerin\, die seit den 1980er Jahren publiziert. Eine Frage\, die das Werk immer (mehr oder weniger explizit) begleitet\, ist\,  inwiefern Erkenntnis von der Gesellschaft immer auch Selbsterkenntnis sein muss\, da wir selbst ja Teil der Gesellschaft sind. ‚Es denkt‘ wurde 1995 veröffentlicht und widmet sich auf einer sehr grundsätzlichen Ebene der Frage\, was die Zuständigkeit und Grenzen des Denkens sind. ‚Es denkt‘ ist ein „Plädoyer gegen die Lieblingsbeschäftigung Kritischer Theorie\, Geist gegen Gesellschaft auszuspielen“\, das heißt\, sich durch die theoretische Auseinandersetzung über die Gesellschaft zu erheben. Nach Bindseil muss sich die Theorie klarmachen\, wie die Gesellschaft ist\, darf aber der Praxis weder sagen\, wie die Gesellschaft verändert werden sollte\, noch darf die theoretische Perspektive das eigene (richtige) Denken der (falschen) Gesellschaft gegenüberstellen. \n\n\n\nDer Lesekreis findet immer mittwochs von 17:00 bis 19:00 statt und startet am 21.1. ‚Es denkt‘ ist mit 112 Seiten recht kurz. Das Buch eignet sich auch als Lesekreis\, weil es vom Schreibstil zwar sehr kompliziert ist\, aber vergleichsweise wenig Vorwissen voraussetzt. Weil die Sätze teilweise recht verschachtelt geschrieben sind\, lesen wir vorraussichtlich jede Woche nur 3-5 Seiten und kommen damit auf maximal 26 Sitzungen. Alle unterschiedlichen Vorerfahrungen sind willkommen\, auch wenn du noch nie in einem Lesekreis warst\, bist du herzlich eingeladen. Wir nehmen uns die Zeit\, alle Begriffe so zu besprechen\, dass jeder mitkommt. Die Bedingung dafür ist jedoch\, dass wir eine beständige Gruppe sind. Nach den ersten zwei Sitzungen bitten wir darum\, dass niemand mehr unabgesprochen neu dazukommt. Auch wünschen wir uns\, dass\, wenn du Lust hast\, dabei zu sein\, du regelmäßig kommst. Wenn du gerne dabei sein möchtest\, aber beim ersten Treffen nicht kannst\, schreibe gerne eine Mail an bib@disputhek.de
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SUMMARY:Totalität – Marx\, Adorno und das Problem kritischer Gesellschaftstheorie | Ein Vortrag von Alex Struwe
DESCRIPTION:Totalität beschreibt das Problem\, ob und wie es überhaupt möglich ist\, Gesellschaft als Ganze zu begreifen. Mit dem »Ende der großen Erzählungen« schien sich diese Frage erübrigt zu haben. Aber in der multiplen Krise\, Klimakatastrophe und dem globalen Erstarken der Rechten kehrt die Notwendigkeit wieder\, den Zusammenhang des Ganzen zu bestimmen. Mit Kapitalismuskritik\, Klassenanalyse und Gesellschaftstheorie kommt auch das ver­drängte Problem der Totalität zurück. \n\n\n\nAktuelle Theorien müssen diese Leerstelle der Totalität nun füllen. Vom Populismusbegriff zur Neuen Klassenpolitik über die Wiederentdeckung der Kritischen Theorie\, des Autoritarismus bis zur Geschichtsphilosophie wird zwar wieder über Struktur und das Ganze der Gesellschaft spekuliert. Aber diese Bestimmungen bleiben notwendig abstrakt – und damit Teil des Problems. \n\n\n\nIst Totalität also immer eine schlechte Verallgemeinerung oder gibt es sie in Wirklichkeit? Alex Struwe spürt dieser Frage nach und findet bei Marx und der Entwicklung des Materialismus bis zu Theodor W. Adorno Möglichkeiten einer konkreten Bestim­mung des Gesamtzusammenhangs. Diese Theorien nachzuvoll­ziehen bietet auch die Chance auf eine Erkenntnis der Gegenwart. Und ohne diese gibt es keinen Einspruch gegen die herrschenden Verhältnisse.
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SUMMARY:Theorie und Kritik der Avantgarde | Redaktion Kunst\, Spektakel & Revolution
DESCRIPTION:„Kunst\, Spektakel & Revolution“ ist der Titel einer Veranstaltungsreihe in Weimar und eines Magazins\, das seit 2010 in unregelmäßigen Abständen erscheint. KSR beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik und lotet aus\, an welchen Punkten in der Geschichte (anti-)künstlerische und revolutionäre Bewegungen ineinander übergingen. \n\n\n\nIm Juli ist die neunte Printausgabe von KSR erschienen. Das Heft beschäftigt sich mit dem Vermächtnis der historischen Avantgarden – also mit jenen Bewegungen wie Futurismus\, DaDa oder Surrealismus\, die die Institution der Kunst sprengen wollten\, um die Potentiale der Kunst in das Vorhaben einer umfassenden Neugestaltung der Gesellschaft einfließen zu lassen. Diese Strömungen wollten die Wurzeln der Widersprüche des modernen Zeitalters freilegen und entwickelten dabei eine faszinierende Formensprache. Sie erreichten einen erstaunlichen Grad der Reflexion künstlerischer Mittel\, formulierten einen heftigen Einspruch gegen den herrschenden Status quo und traten ein für das Neue. Dabei waren die Avantgarden selbst von einer Reihe von Widersprüchen geprägt – so revolutionär sie alle waren\, bedeutete dies nicht immer Menschlichkeit in einem emanzipatorischen Sinne. Und ihr Unterfangen ist auf seltsam untote Weise in der Postmoderne präsent\, die die Moderne nicht überwunden hat. \n\n\n\nIn der Heftvorstellung sollen einige Thesen zur Avantgarde vorgestellt und dabei ein Einblick ins Heft geliefert werden. \n\n\n\nhttps://spektakel.org/
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SUMMARY:Die Wiederkehr des Marxismus-Leninismus. Zur Reanimation eines Untoten durch rote Gruppen | Ein Vortrag von Joel Franke
DESCRIPTION:Schien der Marxismus-Leninismus seit dem Zusammenbruch des Ostblocks auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet zu sein\, erfährt er heute durch das verstärkte Auftreten roter Gruppen seine Wiedererweckung. Entstanden als stalinistische Kanonisierung von Marx\, Engels und Lenin avancierte er zur Staatsideologie der UdSSR und des restlichen Ostblocks. Heute muss der Marxismus-Leninismus wieder als eine Legitimationstheorie für eine bestimmte Organisationsform\, der Kaderpartei\, herhalten. Doch während Kaderparteien kaum Erfolge in westlich industrialisierten Gesellschaften erzielen konnten\, schmälert dies die gegenwärtige Beliebtheit des Marxismus-Leninismus genauso wenig wie deren grundsätzlicher Autoritarismus. Grund genug\, sich den Marxismus-Leninismus einmal genauer anzuschauen. \n\n\n\nDer Vortrag führt kritisch in den Marxismus-Leninismus ein\, um dann gemeinsam dessen bleibende Beliebtheit zu diskutieren.
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SUMMARY:Lawfare gegen Israel - Über das Grundgesetz des Völkerrechts | Ein Vortrag von Philip Zahner
DESCRIPTION:Die Welt sitzt zu Gericht über Israel\, den „Juden unter den Staaten“ (Poliakov). Im Dezember 2023 stellte Südafrika beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag einen Antrag auf die Einleitung eines Verfahrens gegen Israel wegen angeblicher Verstöße gegen die sogenannte Völkermordkonvention von 1948. Im Mai 2024 beantragte Karim Ahmad Khan\, damaliger Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag\, die Ausstellung von mehreren Haftbefehlen im Zusammenhang mit angeblichen Kriegsverbrechen im laufenden Krieg gegen die Hamas. Im November 2024 erließ der IStGH dann tatsächlich Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und Joaw Gallant. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden damit Haftbefehle gegen Spitzenpolitiker eines westlichen Staates ausgestellt. Im September 2025 besiegelte eine unabhängige Untersuchungskommission des notorischen UN-Menschenrechtsrats im Namen der Weltöffentlichkeit dann das Urteil über Israel\, indem sie kolportierte: Israel verübe einen Genozid an den Palästinensern. \n\n\n\nEs ist der Jargon des Völkerrechts\, durch den das „Gerücht über die Juden“ (Adorno) und ihren Staat mit den höheren Weihen des Rechtsfetischismus versehen und so salonfähig gemacht werden soll. Einen „Weltsouverän“ (Scheit) über den einzelnen Staaten\, der die Geltung des Völkerrechts überhaupt erst garantieren könnte\, kann es unter den Bedingungen des Kapitals jedoch nicht geben. Darum muss die durch diese Illusion verdrängte politische Gewalt stets wiederkehren im Hass auf den jüdischen „Gegenstaat“\, der dem Frieden der Völker entgegensteht\, weil er im Angesicht der antisemitischen Bedrohung\, die dem innersten der gesellschaftlichen Totalität selbst entspringt\, immer wieder aufs Neue dazu gezwungen ist\, seine Souveränität gegen seine Feinde zu behaupten. Der fromme Wunsch des Immanuel Kant nach einem „ewigen Frieden“ durchs internationale Recht zeigt im jüngsten „Lawfare“ gegen Israel und dessen ‚genozidale Bestrebungen‘ seine böse Fratze: sein Ziel ist es\, jenem Staat die Souveränität zu nehmen\, der die Juden im Ernstfall allein schützen kann. \n\n\n\nDas Grundgesetz des Völkerrechts gibt sich als genuiner Ausdruck der deutschen Ideologie unter den Bedingungen des sekundären Postnazismus zu erkennen. Ist die deutsche Ideologie in ihrer Wirkung auch keineswegs beschränkt auf Deutschland\, führt ihre Kritik doch zugleich dicht heran an die Legitimationsgrundlage des deutschen „Staats des Grundgesetzes“ (Bruhn)\, der aufgrund seiner eigenen Staatsräson\, die im Völkerrecht gründet\, seit dem 7. Oktober 2023 nicht zufällig immer häufiger in Konflikt mit Israel gerät. \n\n\n\nEs spricht Philip Zahner (Wien)\, Mitarbeiter beim ça-ira-Verlag und Redaktionsmitglied der sans phrase – Zeitschrift für Ideologiekritik.
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SUMMARY:Zum Begriff der Natur\, der Ökologie\, der beschädigten Subjektivität: Die Kritische Theorie des Karl Heinz Haag
DESCRIPTION:Ein Vortrag von Peter Kern\, veranstaltet durch das Referat Politische Bildung des StuRa der TU Dresden  \n\n\n\nDer Vortrag behandelt den Begriff der Naturwissenschaft\, wie er für die Kritische Theorie schulbildend war. Adorno und Horkheimer sahen sie eingepasst in die von ihnen beschriebene\, verhängnisvolle Dialektik der Aufklärung. Karl Heinz Haag untersucht die Methodik der physikalischen Wissenschaften und sein Begriff ist präziser. Im Labor und unter dem Experiment wird Natur zu einer von Masse\, Ausdehnung\, Geschwindigkeit und Energie bestimmten Größe. Dass dies die ganze Natur sei\, folgt nicht aus den Lehrsätzen der Physik oder der Chemie\, sondern aus denen der modernen\, nachmetaphysischen Philosophien. Für diese gilt unumstößlich: Um Naturprozesse zu begreifen\, reichen die Naturgesetze völlig aus.Haags an Kants Vernunftkritik anschließende erkenntnistheoretische Reflexion fördert dagegen hervor: Damit ein Organismus entsteht\, sind zueinander passende Stoffe und Gesetze verlangt\, aber diese Koordination bewirken die materiellen Stoffe und die beteiligten Naturgesetze nicht aus sich selbst. Sie unterliegen einer Zwecksetzung\, einem organisierenden Telos\, sonst wäre die lebendige Natur bloß die Summe ihrer Teile. Naturprozesse haben ihren verursachenden Grund in einer naturwissenschaftlich nicht fixierbaren Dimension. Diese Dimension auszublenden\, Natur positivistisch\, wesenlos zu denken\, ist irrational. Das systemtheoretische Paradigma der selbstreferentiellen Natur\, das im Zufall die Verursachung komplexer Systeme sieht\, ist die ideengeschichtlich letzte Ausprägung dieser Irrationalität.Haags Beitrag zur Kritischen Theorie formuliert den völligen Widerspruch zu den heute vorherrschenden nachmetaphysischen Philosophien. Deren Axiom von der wesenlosen Natur steht am Anfang der bürgerlichen Weltauffassung. Der Glaubenssatz entzieht der Kritik\, was für die ökologischen Katastrophen der Gegenwart ursächlich ist: Die ins Maßlose gesteigerte Naturbeherrschung. Auch die Menschen gelten diesem Positivismus für wesenlos – die kommode Anthropologie der kapitalistischen Gesellschaft. In ihr erfährt Individualität ihre große Feier\, aber die vereinzelten\, in Konkurrenz zueinander gestellten Subjekte sind in Wahrheit völlig depotenziert. Haag: „In einer wesenlosen Welt nehmen die wesenlosen Subjekte sich selber für ihren eigenen Sinn.“ Ihr Vermögen zu Mitgefühl und solidarischem Handeln ist geschwächt. Letzter Punkt des Vortrags: Wer war überhaupt Karl Heinz Haag? Der Kritischen Theoretiker wird als ein Mentor der Emanzipationsbewegung in den westdeutschen\, späten 60er Jahren vorgestellt. Das Referat will ihn und diese Bewegung der Vergessenheit entreißen.
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SUMMARY:Ideolotterie  | AK Zweifel und Diskurs
DESCRIPTION:Im Nachhinein ist man immer schlauer\, oder? \n\n\n\nAuch wenn im akademischen Betrieb gerade an der Abschaffung des Ideologie-Begriffs gearbeitet wird und lieber von Narrativen oder Ähnlichem gesprochen wird\, erfahren wir die Wirkmächtigkeit eben jener immer wieder am eigenen Leib: Sei es eine Konversation am Arbeitsplatz\, in der nonchalante einfließt\, dass – sinngemäß – wer nicht arbeitet\, auch nicht essen soll. Vielleicht lässt auch die stereotype Figur des leicht angetrunkenen Onkels bei der Familienfeier seinem Frust freien Lauf und gibt seine Sympathie für Remigration zum Besten. Oder die Mutter versucht\, das eigene Kind durch biologistische Argumentation auf die gesellschaftliche Rolle festzuschreiben\, aus der doch der Ausbruch ersehnt wird\, indem sie erklärt\, was sich für Männer und Frauen natürlicherweise gehört. Immer wieder entsteht das Gefühl der Ohnmacht\, wenn sich in der Konfrontation mit Aussagen\, denen man doch widersprechen will\, nur ein Moment der Sprachlosigkeit breit macht. Da sich der Ohnmacht alleine meist nicht allzu gut stellen lässt\, laden wir zur „Ideolotterie“ ein. \n\n\n\nIn dem Rahmen soll der Raum geschaffen werden\, dass erfahrene Aussagen\, in anonymisierter Form\, besprochen werden können und gemeinsam reflektiert wird\, was sich im Gesagtem ausdrückt. \n\n\n\nhttps://zweifelunddiskurs.noblogs.org
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SUMMARY:Blind sein - ein philosophischer Erfahrungsbericht | Lesung und Diskussion mit dem Autor Tobias Litterst
DESCRIPTION:»Was ich über das Sehen weiß\, verdanke ich dem Studium der Philosophie.«Inmitten der Vormacht des Visuellen scheint ein Leben und Erleben\, dem gerade der wichtigste aller Sinne abgeht\, nahezu unvorstellbar: ungeheuerlich fremd. Tobias Littersts essayistische Studie entzündet sich an der scheinbar einfachen Frage\, die ihm – der von Geburt an blind ist – immer wieder gestellt wird: der Frage\, wie es ist\, blind zu sein.Vor dem Hintergrund seines konkreten Erlebens und in Auseinandersetzung mit Schopenhauer\, Nietzsche\, Camus und Adorno\, erschließt Litterst die Wahrnehmungswelt blinder Menschen jenseits klischeehafter Projektionen. Gleichermaßen persönliche Reflexion wie philosophische Erkundung\, ist Littersts Buch zugleich ein Versuch über die Möglichkeit von Glück inmitten des Absurden einer verdinglichten Welt.
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SUMMARY:How dare you? Autopsie der Klimabewegung | Ein Vortrag von David Luys
DESCRIPTION:Die Klimabewegung ist mausetot. Eben noch bestimmte der Schulstreik für das Klima den Stundenplan so manches Schülers\, das Boulevard polterte tagtäglich gegen die „Klimakleber“ und in Gefangenensammelstellen wimmelte es an einigen Wochenenden von Aktivistinnen in weißen Malerkitteln. Und heute? Freitag ist ein Schultag wie jeder andere\, für das urbane Verkehrschaos gibt es ganz andere Gründe und die Zeiten der Massenaktionen von Ende Gelände sind lange vorbei. Die Welt dreht sich weiter. \n\n\n\nDie Klimabewegten waren sich lange sicher\, das einzig richtige zu tun: die betonte Dringlichkeit\, die braven Gespräche mit Klimawissenschaftlerinnen\, die immergleichen Demonstrationen. Man hielt den Staat für ein Instrument\, das es bloß richtig zu stimmen gilt. Appelle\, Proteste\, moralistische Reden und sogar ein Hungerstreik waren die Waffen der Wahl\, um Politiker vom eigenen Ansinnen zu überzeugen. Als all das versagte\, blieb nichts – nur der Rückzug in Vereinzelung oder Wahnsinn. \n\n\n\nDie Katastrophe\, vor der man zu Recht warnte\, beginnt indes\, ihre volle Wirkung zu entfalten – allerdings nicht aus kaltherziger Ignoranz\, nicht aus stumpfer Unwissenheit\, sondern mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses. \n\n\n\nAm rosaroten Selbstbild der einstigen Aktivisten beginnt ein Zweifel zu nagen: Was\, wenn das Scheitern nicht bloß tragisch war – sondern unausweichlich?
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